BORNEO
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KUCHING
Reserves & NATIONALPARKS
ANDY
veröffentlicht am
27.05.2024
Allgemeine Infos zur Reise
- 27.05.23 - 18.06.23
- 23 Tage
- Weltreise
BORNEO
Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt und liegt mitten in Südostasien. Mit einer Fläche von rund 743.330 Quadratkilometern ist sie fast doppelt so groß wie Deutschland – die Landmasse teilen sich die drei Staaten Indonesien (Kalimantan), Malaysia (mit den Bundesstaaten Sarawak und Sabah) und das winzige Sultanat Brunei.
Bekannt ist Borneo vor allem für seine außergewöhnliche biologische Vielfalt. Die Regenwälder gehören mit schätzungsweise 140 Millionen Jahren zu den ältesten der Erde. Sie bieten einen unersetzlichen Lebensraum für tausende teils endemische Tier- und Pflanzenarten – darunter die berühmten Borneo-Orang-Utans, Zwergelefanten, Nasenaffen und die seltenen Sunda-Nebelparder.
Der malaysische Teil im Norden der Insel gliedert sich in die Bundesstaaten Sarawak und Sabah. Beide Regionen sind weltberühmt für ihre unberührten Nationalparks, erstklassige Tauchspots (wie die Insel Sipadan), engagierte Orang-Utan-Schutzzentren und eine faszinierende indigene Kultur.
Genau diese unberührte Natur und die einzigartige Tierwelt wollten wir hautnah erleben. Als perfekten Ausgangspunkt für unser Abenteuer haben wir uns die charmante Stadt Kuching ausgesucht.
KUCHING
Kuching ist die Hauptstadt des malaysischen Bundesstaates Sarawak und liegt idyllisch am Ufer des Sarawak-Flusses, etwa 35 Kilometer vor dessen Mündung in das Südchinesische Meer. Übrigens: „Kuching“ bedeutet im Malaiischen „Katze“ – weshalb die Stadt auch als die „Stadt der Katzen“ bekannt ist und man an vielen Ecken auf Katzenstatuen und sogar ein Katzenmuseum stößt.
Die Stadt ist der perfekte Basislager für Naturbegeisterte: Umgeben von dichten Regenwäldern, erreicht man von hier aus in kürzester Zeit spektakuläre Naturschutzgebiete, wie den berühmten Bako-Nationalpark (bekannt für seine Nasenaffen) oder das Semenggoh-Naturreservat, in dem halbwilde Orang-Utans leben.
Doch auch Kuching selbst hat einen ganz eigenen Charme. Die Stadt ist ein faszinierender, friedlicher Schmelztiegel der Kulturen, geprägt von einer bunten Mischung aus malaiischen, chinesischen, indigenen (wie den Dayak) und europäischen Einflüssen aus der Kolonialzeit. Herzstück des städtischen Lebens ist die belebte Uferpromenade (Kuching Waterfront). Sie lädt mit ihren Cafés und dem Blick auf das futuristische Parlamentsgebäude auf der gegenüberliegenden Flussseite zum Spazierengehen, Entspannen und Genießen der Abendstimmung ein.
Masjid Bahagian
Im Herzen von Kuching erhebt sich die Masjid Bahagian, die Staatsmoschee von Sarawak und eines der markantesten religiösen Bauwerke der Stadt. Architekturfans fasziniert sie durch ein markantes Design: Die Moschee kombiniert klare, moderne Linien mit traditionellen Elementen und sticht besonders durch ihre charakteristische rosafarbene Fassade und die glänzenden goldenen Kuppeln ins Auge. Vor allem im warmen Licht der Abendsonne ist die Moschee ein beeindruckender Anblick und ein wunderbares Fotomotiv.
Masjid Terapung
Ein absoluter Blickfang am Ufer des Sarawak-Flusses ist die Masjid Terapung Kuching, die aufgrund ihrer spektakulären Lage auch als „Floating Mosque“ (Schwimmende Moschee) bekannt ist. Sie wurde erst 2019 eröffnet und hat sich schnell zu einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt entwickelt. Die Architektur ist modern und elegant: Auf Stelzen direkt über dem Wasser erbaut, dominieren ein markantes goldenes Kuppeldach und schlanke Minarette das Gesamtbild. Besonders am Abend, wenn die Moschee kunstvoll beleuchtet wird und sich im Fluss spiegelt, bietet sie einen magischen Anblick.
Darul Hana Bridge
Ein architektonisches Kunstwerk und echtes Highlight ist die Darul Hana Bridge, eine geschwungene Fußgängerbrücke, die sich in einer eleganten S-Form über den Sarawak-Fluss spannt. Sie verbindet die belebte Waterfront im Süden direkt mit dem historischen Viertel am Nordufer von Kuching. Der Name „Darul Hana“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet passenderweise „Ort des Friedens“. Wer die Brücke überquert, wird mit einem spektakulären Panoramablick auf den Fluss, das futuristische Parlamentsgebäude und die Skyline der Stadt belohnt. Besonders nach Sonnenuntergang lohnt sich ein Besuch, wenn die Brücke in wechselnden Farben farbenprächtig illuminiert wird.
India Street Mall
Die India Street Mall ist eine lebendige Fußgängerzone im Herzen von Kuching und erstreckt sich über die historische India Street – eine der ältesten Straßen der Stadt. Ihren Namen verdankt sie den indischen Händlern, die sich hier bereits im 19. Jahrhundert ansiedelten. Einst das pulsierende Zentrum des lokalen Handels, hat sich die Straße heute zu einer der beliebtesten Einkaufsmeilen Kuchings entwickelt.
Ein echtes Highlight ist das moderne, farbenfrohe Glasdach, das die gesamte Straße überspannt und die Mall in eine wettergeschützte Passage verwandelt. Die Vielfalt an Geschäften ist riesig: Besucher finden hier eine breite Palette an traditionellen Textilien (wie die berühmte Sarawak-Seide), authentischem Kunsthandwerk, Souvenirs und Schmuck. Wer nach dem Shoppen hungrig ist, sollte unbedingt die kleinen Seitengassen erkunden, wo man fantastisches indisch-malaysisches Essen wie Roti Canai probieren kann.
Jala Carpenter
Direkt parallel zur Waterfront, im ältesten Viertel von Kuching, liegt die historische Carpenter Street. Ihren Namen verdankt sie den chinesischen Schreinern und Handwerkern, die sich hier vor Generationen ansiedelten. Einst das pulsierende Zentrum der Handwerkskunst, hat sich die Straße bis heute ihre faszinierende, nostalgische Atmosphäre bewahrt. Schon beim Betreten durch eines der großen, traditionellen roten Tore fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt.
Die Gebäude entlang der Straße sind Paradebeispiele für die traditionelle chinesische Shophouse-Architektur: schmale Geschäftsfronten, farbenfrohe Fassaden und schattige Arkadengänge im Erdgeschoss. Viele dieser historischen Bauten sind liebevoll restauriert worden. Heute ist die Carpenter Street eine lebendige Mischung aus Alt und Neu: Neben traditionellen Handwerksbetrieben und alteingesessenen chinesischen Tempeln findet man hier hippe Cafés, urige Bars und hervorragende Food-Stalls, die zu einer kulinarischen Entdeckungstour einladen.
WATERFRONT
Die Kuching Waterfront ist eine rund ein Kilometer lange, malerische Promenade am Südufer des Sarawak-Flusses. Sie ist der lebendigste Treffpunkt der Stadt, an dem Einheimische und Reisende gleichermaßen zusammenkommen, um den weiten Blick auf den Fluss, die vorbeiziehenden Boote und die Skyline zu genießen. Historisch gesehen ist dieser Ort von enormer Bedeutung: Einst war die Waterfront das pulsierende Zentrum des Handels und der Schifffahrt, wo Waren aus dem tiefen Dschungel Borneos für den Weltmarkt verschifft wurden. Heute zeugen liebevoll restaurierte Kolonialbauten wie das Old Courthouse von dieser geschichtsträchtigen Epoche.
Beim Schlendern entlang der gepflegten Promenade reihen sich Denkmäler, kleine Parks, Garküchen und Souvenirläden aneinander. Ein besonderes Highlight sind die traditionellen Holzboote (Tambangs), die Fahrgäste wie eh und je von Ufer zu Ufer bringen. Wenn am Abend die Straßenkünstler auftreten und die farbenfrohe Darul Hana Musical Fountain – eine spektakuläre Wasser- und Lichtshow direkt vor dem Parlamentsgebäude – startet, zeigt sich die Waterfront von ihrer magischsten Seite.
Sarawak State Legislative Assembly Hall
Direkt am gegenüberliegenden Nordufer des Flusses thront die Sarawak State Legislative Assembly Hall (auf Malaysisch: Dewan Undangan Negeri oder kurz DUN). Es ist das Regierungsgebäude, in dem das Parlament des Bundesstaates Sarawak tagt. Obwohl es für die Öffentlichkeit im Inneren meist nicht zugänglich ist, hat sich das Bauwerk zu einem der absoluten architektonischen Wahrzeichen Kuchings entwickelt.
Das futuristische Design ist ein echter Blickfang: Das neunstöckige Gebäude läuft in einem riesigen, goldglänzenden Dach zusammen, das an die Form eines traditionellen malaysischen Sonnenschirms oder den typischen Terendak-Hut der indigenen Bevölkerung erinnert. Besonders imposant wirkt der Komplex von der gegenüberliegenden Waterfront aus – vor allem am Abend, wenn die goldene Dachkonstruktion im Scheinwerferlicht erstrahlt und sich majestätisch im Sarawak-Fluss spiegelt.
Tua Pek Kong Temple
Ein weiteres historisches Juwel im Stadtzentrum ist der farbenfrohe Tua Pek Kong Tempel (auch bekannt als Siew San Teng). Seine Ursprünge reichen vermutlich bis in das Jahr 1770 zurück, was ihn zum ältesten chinesischen Tempel in Kuching macht. Erbaut von den ersten chinesischen Einwanderern, ist er bis heute ein tief verwurzeltes kulturelles und religiöses Zentrum für die chinesische Gemeinschaft in Sarawak.
Der Tempel ist der Gottheit Tua Pek Kong gewidmet, die im Volksglauben als Beschützer der Seefahrer, Händler und Reisenden verehrt wird – ein passender Ort also auch für Weltenbummler. Noch heute herrscht hier ein geschäftiges, aber andächtiges Treiben: Gläubige besuchen den Tempel täglich, um inmitten von duftenden Räucherstäbchen zu beten, Opfergaben darzubringen und um Segen zu bitten.
MALLS
Ein weiterer großer Pluspunkt von Kuching war für uns die hervorragende Infrastruktur: Es gibt in der Stadt zahlreiche moderne Einkaufszentren, in denen man sich perfekt mit allem Nötigen versorgen oder einfach eine Runde shoppen gehen kann. Da wir etwas mehr Zeit in Kuching verbracht haben, war das überaus praktisch. Große Malls wie das The Spring oder die Vivacity Megamall bieten nicht nur eine riesige Auswahl an Geschäften und Supermärkten, sondern sind dank ihrer Klimaanlagen auch der perfekte Ort für eine kleine Pause von der tropischen Hitze Borneos.
RESERVES & NATIONALPARKS
Wer nach Borneo reist, hat vermutlich weniger eine klassische Städtereise im Sinn, sondern kommt wegen der weltweit einmaligen Tier- und Pflanzenwelt. Genau hier spielt Kuching seine größte Stärke aus: Von der Stadt aus erreicht man diverse Nationalparks und Naturschutzgebiete in kürzester Zeit. Die Anreise ist denkbar unkompliziert – je nach Ziel geht es per lokalem Bus, Boot oder ganz bequem per Fahrdienst-App (wie Grab). Während unserer Zeit in Sarawak haben wir drei absolute Highlights direkt vor der Haustür Kuchings besucht: das berühmte Semenggoh Wildlife Centre sowie die beiden Nationalparks Kubah und Bako.
Semenggoh Wildlife Centre
Orang-Utans einmal in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen, war schon immer ein großer Traum von uns. Da die Verwandten des Menschen jedoch vom Aussterben bedroht sind, ist dieses Unterfangen gar nicht so einfach. Natürlich werden Touren angeboten, die für Sichtungen tief in den unberührten Dschungel führen. Wir haben uns im Endeffekt jedoch bewusst dagegen entschieden: Wir wollten nicht dazu beitragen, dass die letzten sensiblen Rückzugsgebiete der Tiere durch den Tourismus noch weiter erschlossen und im schlimmsten Fall gestört werden.
Stattdessen haben wir uns für den Besuch des Semenggoh Wildlife Centre entschieden. Dieses Schutzzentrum bietet einen wunderbaren Kompromiss, da die dort lebenden Orang-Utans völlig frei und selbstbestimmt im umliegenden Regenwaldwald leben, aber im Rahmen eines Auswilderungsprogramms betreut werden.
Das Semenggoh Wildlife Centre liegt etwa 24 Kilometer südlich von Kuching und erstreckt sich über ein rund 740 Hektar großes Naturreservat. Seit seiner Gründung im Jahr 1975 widmet sich das Zentrum der Rehabilitation von verwaisten, verletzten oder illegal als Haustier gehaltenen Orang-Utans mit dem Ziel, sie wieder an ein Leben in der freien Wildbahn zu gewöhnen. Heute gilt es als eine der wichtigsten Adressen für den Schutz dieser bedrohten Primatenart auf Borneo.
Für Besucher bietet das Zentrum die seltene Gelegenheit, die Menschenaffen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Zweimal täglich gibt es eine offizielle Fütterungszeit, zu der die Ranger auf einer Holzplattform im Wald Früchte bereitstellen. Wichtig zu wissen: Semenggoh ist absolut kein Zoo. Die Tiere leben völlig frei im Reservat. Wenn im Dschungel gerade Fruchtsaison ist und die Orang-Utans selbst genug Nahrung finden, bleiben sie den Plattformen oft fern. Es gibt also keine Garantie – wer die Tiere keine Lust auf Menschen haben oder satt sind, sieht man sie nicht.
Wir hatten allerdings riesiges Glück!






KUBAH NATIONALPARK
Der Kubah-Nationalpark liegt etwa 22 Kilometer westlich von Kuching und erstreckt sich über eine Fläche von rund 22 Quadratkilometern. Er ist von der Stadt aus sehr leicht und schnell mit dem Auto oder einer Fahrdienst-App zu erreichen. Die landschaftliche Vielfalt des Parks ist beeindruckend: Dichter, ursprünglicher Regenwald trifft hier auf glasklare Bäche, versteckte Wasserfälle und markante Sandsteinformationen.
Das Ökosystem des Parks beheimatet eine außergewöhnliche Artenvielfalt. Botaniker schätzen Kubah vor allem für seine enorme Dichte an Palmenarten – es gilt als eines der palmenreichsten Gebiete der Erde. Zudem versteckt sich hier eine reiche Tierwelt, von seltenen Vögeln und Schmetterlingen bis hin zu einer faszinierenden Welt der Amphibien. Im Unterholz lebt unter anderem der winzige Matang-Engmaulfrosch, eine der kleinsten Froscharten der Welt, die kaum größer als eine Erbse wird.
Ein gut ausgebautes Netz aus verschiedenen Wanderwegen und Pfaden führt Besucher sicher durch den dichten Dschungel und macht den Kubah-Nationalpark zu einem absolut lohnenden und unvergesslichen Tagesausflug ab Kuching.
Neben den großen Säugetieren sind es oft die kleinen Waldbewohner, die auf Borneo für pures Staunen sorgen – wie die Gekrümmte Dornspinne. Diese faszinierende Spinnenart gehört zur Familie der Radnetzspinnen und ist ein Meisterwerk der Evolution. Ihr markantestes Merkmal ist der extrem skurrile Hinterleib: Aus ihm ragen zwei riesige, peitschenartige Dornen heraus, die sich elegant nach hinten biegen und oft ein Vielfaches der eigentlichen Körperlänge der Spinne messen.
Diese langen Fortsätze, die meist tiefschwarz glänzen und im Kontrast zum oft leuchtend gelben oder roten Körper stehen, dienen vor allem dem Schutz. Für Fressfeinde wie Vögel ist die Spinne dadurch schlichtweg unmöglich zu verschlucken. Wer im Regenwald mit offenen Augen durch das Gebüsch wandert, kann die kunstvollen, kreisrunden Netze dieser harmlosen Winzlinge entdecken, die oft in Kopfhöhe zwischen den Pflanzen gespannt sind.
Ein weiterer faszinierender Bewohner des Waldbodens ist der Riesenkugeltausendfüßler (aus der Ordnung der Sphaerotheriida). Während heimische Saftkugler in Europa kaum die Größe einer Erbse erreichen, können diese tropischen Giganten auf Borneo so groß wie ein Golfball oder sogar eine Zitrone werden. Ihr glänzender Panzer ist perfekt segmentiert und oft tiefbraun, schwarz oder metallisch-grün gefärbt.
Ihren Namen verdanken sie ihrer einzigartigen Verteidigungsstrategie: Bei der kleinsten Berührung oder Gefahr rollen sie sich blitzschnell zu einer vollkommen geschlossenen, steinharten Kugel zusammen. Die Beine und der Kopf sind dann im Inneren geschützt, sodass Fressfeinde keine Angriffsfläche finden. Diese urzeitlich anmutenden Tiere sind völlig harmlos und ernähren sich ausschließlich von verrottendem Laub und Holz – sie spielen damit eine entscheidende Rolle als „Müllabfuhr“ im Ökosystem des Regenwaldes.
Wer im Regenwald nach botanischen Superlativen sucht, kommt an der Titanwurz nicht vorbei. Sie bringt den größten unverzweigten Blütenstand des Pflanzenreichs hervor, der eine gigantische Höhe von über drei Metern erreichen kann. Die Pflanze wächst aus einer riesigen unterirdischen Knolle heran, die gut und gerne über 100 Kilogramm wiegen kann – ein absolutes Schwergewicht der Natur.
Doch die Titanwurz ist nicht nur für ihre monumentale Größe bekannt, sondern auch für eine ziemlich exzentrische Eigenschaft: ihren Geruch. Wenn sich die Blume für oft nur 24 bis 48 Stunden öffnet, verströmt sie einen intensiven Aasgeruch. Was für das menschliche Nasenorgan eine echte Zumutung ist, hat Methode: Der Duft lockt über Kilometer hinweg fleischfressende Insekten und Käfer an, die im Inneren der Blüte für die Bestäubung sorgen. Da sie nur alle paar Jahre blüht, ist die Sichtung einer geöffneten Titanwurz im Dschungel wie ein Sechser im Lotto. Dementsprechend glücklich waren wir auch, dass wir sie wirklich gesehen haben!
BAKO NATIONALPARK
Der Bako-Nationalpark liegt etwa 37 Kilometer nordöstlich von Kuching. Gegründet im Jahr 1957, ist er der älteste Nationalpark Sarawaks. Obwohl er mit knapp 27 Quadratkilometern zu den kleinsten Parks gehört, zählt er landschaftlich zu den vielfältigsten und faszinierendsten Schutzgebieten Südostasiens. Auf engstem Raum treffen hier fast alle auf Borneo vorkommenden Ökosysteme aufeinander: von dichten Regenwäldern und geheimnisvollen Mangroven über karge Hochebenen bis hin zu schroffen Felsklippen und einsamen Sandstränden.
Für Tierbeobachter ist Bako ein wahres Paradies. Der Park ist weltberühmt für seine seltenen Nasenaffen, die man hier mit etwas Glück hoch oben in den Bäumen (oder sogar direkt am Strand) beobachten kann. Für uns war der Aufenthalt ein absoluter Traum, da wir unglaublich viele verschiedene Arten entdecken konnten – von den neugierigen Makaken und Bartschweinen bis hin zu den wirklich witzigen Schlammspringern im Wattenmeer. Ein gut ausgeschildertes Netz aus Wanderwegen führt durch die unterschiedlichen Lebensräume und bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke.
Das Abenteuer beginnt schon bei der Anreise, denn der Park ist ausschließlich per Boot vom Dorf Bako aus erreichbar. Die Fahrt führt mitten durch die Flussmündung und entlang der wilden Küste. Um das Beste aus unserem Besuch herauszuholen und den Park in den ruhigen Morgen- und Abendstunden zu erleben, haben wir uns für eine Übernachtung direkt im Parkzentrum entschieden. Die dortigen Hütten der Nationalparkbehörde, die auch ein kleines Besucherzentrum und eine Kantine umfassen, sind preiswert und funktional eingerichtet – man sollte definitiv keinen Fünf-Sterne-Luxus erwarten, dafür ist das Naturerlebnis umso luxuriöser!
Die unumstrittenen Stars des Bako-Nationalparks sind die Nasenaffen. Diese faszinierende Primatenart ist ausschließlich auf Borneo beheimatet (endemisch) und lebt bevorzugt in den küstennahen Mangroven- und Torfmoorwäldern. Ihr absolut unverkennbares Markenzeichen ist die namensgebende, gurkenförmige Riesennase der Männchen. Die Evolution hat sich dabei etwas gedacht: Je größer die Nase, desto eindrucksvoller ist die tiefe, lautstarke Stimme des Männchens – was wiederum Eindruck auf die Damenwelt macht und Rivalen abschreckt.
Neben ihrem skurrilen Aussehen, zu dem auch ein permanent runder „Bierbauch“ (bedingt durch ihr komplexes Verdauungssystem für schwer verdauliche Blätter) gehört, sind Nasenaffen erstaunliche Sportler. Sie gelten als die besten Schwimmer unter den Primaten. Mit ihren leicht schwimmhautartigen Händen und Füßen springen sie oft mutig von hohen Bäumen direkt in die Flussläufe, um Krokodilen zu entkommen oder ans andere Ufer zu gelangen. Da sie sehr gesellig sind, kann man sie in Bako am späten Nachmittag oft in großen Gruppen in den Bäumen am Fluss- oder Strandufer beobachten.
Ein Spaziergang durch den Bako-Nationalpark führt unweigerlich in eine der faszinierendsten Vegetationszonen der Erde: die Mangroven. Diese Spezialisten unter den Pflanzen schlagen genau dort Wurzeln, wo das Land auf das Meer trifft – im extrem salzigen und sauerstoffarmen Schlamm der Gezeitenzone. Um in dieser rauen Umgebung zu überleben, haben Mangroven erstaunliche Anpassungsstrategien entwickelt. Ihr weit verzweigtes System aus Stelz- und Atemwurzeln ragt bei Ebbe wie bizarre Holzskulpturen aus dem Schlamm und versorgt die Pflanzen mit Sauerstoff, während es sie bei Flut gegen die starke Brandung stabilisiert.
Ökologisch gesehen sind diese „Wälder im Wasser“ von unschätzbarem Wert. Sie dienen als gigantische Kinderstube für unzählige Fisch- und Krebsarten und bieten Tieren wie den Nasenaffen oder den witzigen Schlammspringern ein reich gedecktes Buffet. Gleichzeitig erfüllen sie eine wichtige Schutzfunktion für die Küste, indem sie die Erosion durch die Wellen verhindern. Für Reisende bietet das dichte, geheimnisvolle Wurzelgeflecht der Mangroven – besonders im Kontrast zu den schroffen Sandsteinklippen Bakos – eine fast schon surreale, mystische Kulisse.
Sie gehören definitiv zu den skurrilsten und unterhaltsamsten Begegnungen im Bako-Nationalpark: die Schlammspringer. Obwohl sie biologisch echte Fische (aus der Familie der Grundeln) sind, haben sie im Laufe der Evolution das Meer verlassen und sich perfekt an ein Leben an Land angepasst. Man findet sie bei Ebbe im schlammigen Wattenmeer und den Mangroven, wo sie dank ihrer kräftigen, armähnlichen Brustflossen erstaunlich flink über den Schlamm krabbeln oder bei Gefahr meterweit durch die Luft springen können.
Das Überleben außerhalb des Wassers meistern die kleinen Anpassungskünstler durch ein geniales System: Sie können Sauerstoff sowohl über ihre feuchte Haut als auch über spezielle Kammern in ihren Kiemen aufnehmen, in denen sie einen kleinen Wasservorrat wie in einem Aquarium mit an Land nehmen. Mit ihren großen, unabhängig voneinander beweglichen Glupschaugen, die oben auf dem Kopf sitzen, behalten sie den Überblick über ihre Umgebung. Das Beobachten dieser winzigen „Dschungel-Astronauten“ bei ihren Revierkämpfen oder der Nahrungssuche im Schlamm ist ein absolutes Highlight bei jedem Bako-Besuch.
Wer an den Stränden des Bako-Nationalparks spaziert, sollte unbedingt den Blick nach unten richten. Dort wimmelt es im Sand nur so von Landeinsiedlerkrebsen. Das Besondere an diesen fleißigen Strandbewohnern: Im Gegensatz zu echten Krabben haben sie keinen eigenen harten Panzer zum Schutz ihres weichen Hinterleibs. Stattdessen sind sie ihr Leben lang auf der Suche nach der perfekten „Immobilie“ – meist den leeren Gehäusen von Meeresschnecken.
Da die Krebse im Laufe ihres Lebens wachsen, wird ihr Haus irgendwann zu eng. Was dann folgt, ist eines der faszinierendsten Spektakel am Strand: Wenn eine größere, leere Schneckenschale angespült wird, versammeln sich oft mehrere Krebse und bilden eine regelrechte „Tauschschlange“, sortiert nach Größe. Sobald der größte Krebs in das neue Haus einzieht, schlüpft der nächste in dessen altes Gehäuse und so weiter. Es ist absolut faszinierend zu beobachten, wie flink die kleinen Krebse im Sand unterwegs sind und wie blitzschnell sie sich bei der kleinsten Annäherung in ihr tragbares Zuhause zurückziehen.
Vlogs
Ihr wollt noch mehr von dieser Tour sehen? Auf unserem YouTube-Kanal findet ihr den dazugehörigen Vlog mit vielen weiteren Eindrücken und persönlichen Momenten unserer Reise. Wir freuen uns, wenn ihr uns auch dort begleitet!
Weltreise Vlog #122
Kuching
Weltreise Vlog #123
Semenggoh Wildlife Center
Weltreise Vlog #124
Bako Nationalpark - Teil 1
Weltreise Vlog #125
Bako Nationalpark - Teil 2
Weltreise Vlog #126


































